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Bad Nenndorfer Schwefelquelle - eine der stärksten in Europa

Wirksame Verbindungen sind insbesondere der gasförmige Schwefelwasserstoff, der Sulfidschwefel und der Sulfatschwefel. Schwefelbäder werden jeweils für ca. 20 Minuten bei ca. 37 °C angewendet und zwar bei allen Formen der rheumatischen Erkrankungen, ob degenerativ oder entzündlich, ob bei Weichteilrheumatismus (z. B. Fibromyalgie), bei knöchernen Veränderungen oder auch nach Operationen am Bewegungsapparat. Hauterkrankungen sind der Behandlung mit Schwefelbädern ebenfalls sehr gut zugänglich (z. B. Psoriasis), besonders auch in Kombination mit Lichttherapie.

Schwefelbäder - Wirkung einer alten Therapie wird immer mehr erforscht.

Schwefelquellen werden schon in der antiken Mythologie, aber auch der frühen Medizin Griechenlands, Roms und Arabiens als sehr bedeutsam angesehen. Ärzte nutzen Schwefelbäder seit Jahrhunderten zur Linderung zahlreicher Leiden, vor allem der Gelenke, des Rückens, der Haut aber auch gynäkologischer Krankheiten. Der wirksame Stoff des Heilmittels ist in erster Linie natürliches Schwefelgas, das im Wasser in dissoziierter Form vorliegt.

In Bad Nenndorf sind Schwefelquellen erstmals 1546 schriftlich erwähnt worden und werden seit dem Bau des ersten Badehauses 1787 in größerem und zunehmendem Umfang als Heilmittel genutzt. In den folgenden 1 1/2 Jahrhunderten stützte sich die medizinische Anwendung allein auf die Erfahrung der Ärzte und der Patienten. 1936 wurde in dem damals nach einem Brand neu errichteten Landgrafenhaus ein balneologisches Institut begründet, um die Erforschung der Bademedizin voranzutreiben. Mitte der 50er Jahre konnten Ärzte die Aufnahme des Schwefels durch die Haut mengenmäßig nachweisen, später auch den Schwefeleinbau im Knorpel. Die Wirkung auf Immunzellen der Haut ließ sich in den 80er Jahren nachweisen. Seit fast 100 Jahren ist die Wirkung des Schwefels auf die Erweiterung der Hautgefäße bekannt und seit 50 Jahren der Effekt bei Kälteempfindlichkeit und allgemein auf die Schmerzempfindung nachgewiesen.

In dieser Tradition beforschten Prof. Dr. Gutenbrunner von der Medizinischen Hochschule Hannover und Ärzte der Rheumaklinik des Staatsbades Nenndorf Ende der 90er Jahre Patienten, die unter der weichteilrheumatischen Erkrankung Fibromyalgie leiden. Da bei diesen Patienten neben spontanen und Druckschmerzen eine große Empfindlichkeit gegen Kältereize besteht, wurden diese Fragestellungen untersucht. Schwefelbäder führten im Vergleich zu einfachen Warmwasserbädern zu einer deutlichen Besserung der Ruheschmerzen, aber auch zu einer größeren Toleranz gegenüber Druck sowie Kälte- und Wärmereizen.

Um diese Befunde an einer noch größeren Patientengruppe nachprüfen zu können, läuft in Bad Nenndorf momentan eine erneute Untersuchung der Wirksamkeit von Schwefelbädern in Zusammenarbeit von Ärzten der Rheumaklinik Bad Nenndorf, der Medizinischen Hochschule Hannover und der Universität Istanbul.

Schwefelbäder zeigen jedoch auch Wirksamkeit bei entzündlichen-rheumatischen Erkrankungen, falls diese keine hohe Entzündungsaktivität aufweisen. Weiterhin besteht eine gute Wirksamkeit bei Abnutzungserscheinungen der Wirbelsäule und der Bandscheiben, bei muskulären Verspannungen des Rückens und bei Gelenkarthrosen.

 

Literatur

Pratzel H. G.: "Ergebnisse der Schwefelforschung" aus "Bad Nenndorf - Entwicklung eines Rheumaheilbades", Hrsg W. Brückle, Schattauer Verlag 1996.

Schick, B.: "Erfahrungen und Wirkungen der Schwefelbäder in Bad Nenndorf" aus "Bad Nenndorf - Entwicklung eines Rheumaheilbades", Hrsg. W. Brückle, Schattauer Verlag 1996.

Dönmez, A.: "Schwefelbäder in der Balneotherapie von rheumatischen Erkrankungen" aus "Balneologie und Med. Klimatologie bei Rheumatischen Erkrankungen", Hrsg. Karagülle MZ, Gutenbrunner Chr, Karagülle O, I.S.M.H.-Verlag 2003.

Brückle, W.: "Indikationen und Kontraindikationen der Schwefelbäder für die Behandlung entzündlich-rheumatischer Erkrankung" aus "Sulphur in Health Resort Medicine", ed. Pratzel HG, I.S.M.H.-Verlag 1995.

Schubert, E.: "Therapie der Psoriasis und des endogenen Exzems mit schwefelhaltigen Bädern und Phototherapie", ed. Pratzel, HG, I.S.M.H.-Verlag 1995.

Gutenbrunner Chr., Englert G, Neues-Lahusen M., Gehrke A.: "Analgetische Wirkungen von natürlichen Schwefelbädern und Kältekammerexpositionen bei Fibromyalgie". Phys Reha Kur Med. 1999: 9, 56-62